Cochrane Reviews / Kommentare
Kapitel 5: Psychopharmakologie
Nootropika:
07.07.2005: |
EBM
In einem Cochrane Review, dem zwei Studien (Beobachtungszeitraum: 6 Monate)
zugrunde liegen, wurde eine positive Wirkung von Memantine bzgl. der Kognition
(durchschnittlicher Unterschied zu Placebo 4,12 Punkte in der Severe Impairment
Battery (SIB)) sowie der alltagspraktischen Fähigkeiten bei mittleren bis
schweren Alzheimer Demenzen berichtet (Evidenzstufe 1a: Arosa Sastre et al.,
2005). Positive Effekte bezüglich neuropsychiatrischer Auffälligkeiten sind
jedoch dem ärztlichen Eindruck (CIBIC+) zufolge nur schwach ausgeprägt. |
Kommentar: |
Diese Datenlage unterstützt den Einsatz von Memantine bei der mittelschweren bis schweren Alzheimer Demenz, wofür die Substanz auch in Deutschland zugelassen ist. Zur evidenz-basierten Beurteilung eines Einsatzes außerhalb dieses Indikationsbereiches muss die Veröffentlichung weiterer Studien abgewartet werten. |
Akuttherapie der Depression:
01.09.2003: |
EBM Einem neuen systematischen Review zufolge sind trizyklische Antidepressiva auch in niedrigen Dosen (zwischen 75 und 100mg/Tag) wirksamer als ein Placebo und diese niedrigen Dosen scheinen - bei geringerer drop-out Rate - sogar vergleichbar wirksam zu sein wie eine Standarddosierung (Evidenzstufe 1a: Furukawa et al. 2003, Cochrane Review). |
Kommentar: |
Im Lehrbuch wurde auf der Grundlage der zur Verfügung stehenden Metaanalysen und qualitätsüberprüften Reviews (z.B. Bollin et al 1999) und der Empfehlungen von international akzeptierten Therapieleitlinien (z.B. APA 2000) die „Standarddosierung“ von 100-200 mg pro Tag als Richtdosis genannt. Auf der Grundlage dieser neuen, qualitativ hochwertigen Metaanalyse kann auch der Einsatz niedrigerer Dosierungen (75-100 mg) gerechtfertigt werden. Aber auch die Autoren dieser Metaanalyse betonen, daß die methodischen Probleme der in die Analyse eingegangenen Studien keine eindeutige Aussage darüber erlauben, inwieweit eine Niedrigdosistherapie einer Standarddosistherapie tatsächlich gleichwertig ist. Die eingenommene Dosis ist ja nur ein sehr ungefährer Anhaltspunkt für den durch die individuell unterschiedliche Pharmakokinetik bedingten Plasmaspiegel, der letztlich resultierenden wirksamen Konzentration im Gehirn und den individuellen, pharmakodynamischen Wirkungen. Der Kliniker muß daher nach wie vor die Dosis individuell nach dem Verhältnis von klinisch erwünschten Wirkungen zu unerwünschten Nebenwirkungen anpassen. Plasmaspiegelbestimmungen zu Beginn einer Therapie können Hinweise auf Über- oder Unterdosierung geben. |